Kleine Kulturgeschichte des Korsetts

Das Wort Korsett stammt von dem altfranzösischen Wort für Körper cors und kam in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. Zuvor sprach man von steifen Miedern, Leibstückern, Schnürleibern oder Schnürbrüsten. Das Korsett war ein steifes Kleidungsstück, das zur Unterkleidung zählte, eng am Oberkörper anlag und diesen der jeweils geltenden Mode entsprechend formen sollte. Entsprechend veränderte sich das Korsett im Lauf der Jahrhunderte mehrmals in Form und Zuschnitt. Die Techniken zur Stabilisierung des Kleidungsstücks wandelten sich ebenfalls im Lauf der Zeit.

Quelle: Wikipedia

korsett 18. Jahrhundert Korsett 1880 Korsett 1905

Die ersten Korsetts

Das älteste erhaltene Korsett stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die ersten Korsett-artigen Kleidungsstücke formten einen kegelförmigen Oberkörper, betonten also die Taille noch nicht, und drückten die Brust flach. Erst im Rokoko durften Frauen Figur zeigen. Die kegelförmige Form blieb auch jetzt erhalten, aber die Brust wurde nicht länger flachgedrückt, sondern angehoben. Mit geringen Veränderungen blieb diese Form bis zur Französischen Revolution in Mode.

Nach der Revolution rutschte die Taille der Kleider fast bis unter die Brust und machte eine Schnürung überflüssig. In dieser Zeit, der Hochzeit des Dandytums, wurde das Korsett zum Accessoire auch für Männer. Die Dandys trugen Taillenkorsetts, damit die Schultern im Verhältnis zur Taille besonders breit wirkten. Erst als sich im Biedermeier die Taille der Damenkleider wieder auf die natürliche Höhe zurückbewegte, kehrte auch das Korsett zurück und wurde nunmehr unabdingbar.

Korsett 1600 Korsett 1860 Korsett um 1900

Die Weiterentwicklung des Korsetts im 19. Jahrhundert

Zwischen 1840 und 1870 entwickelte sich schließlich die Sanduhr-Form, die heute als die klassische Korsettform gilt: relativ große Ober- und Hüftweite bei möglichst geringer Taillenweite. Bis zum letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wurden die Korsetts nach unten hin länger und umschlossen so auch die Hüfte und den Bauch. In den 1890ern kam eine besonders schmale Taille in Mode. Warnungen von Medizinern wurden laut. Bauchorgane und Lunge wurden zusammengepresst, ein tiefes Durchatmen war kaum möglich. So kam es, dass die so schlank geschnürten Damen kleinsten Anstrengungen in Atemnot gerieten, wenn nicht sogar in Ohnmacht fielen

Bei dem S-Korsett, das gegen 1900 in Mode kam, sollte der Magen freiliegen. Doch die Mode übertrieb diese Form so maßlos, dass die Brust herausgedrückt wurde, während der untere Teil des Bauches und die gesamte Hüfte gleichzeitig nach hinten in eine völlig unnatürliche Haltung gezwungen wurden. Um 1910 wurde das S-Korsett durch das Unterbrustkorsett abgelöst, das mehr Bewegungsfreiheit ließ.

Das Korsett im 20. Jahrhundert

Wenig später gerieten Korsetts im Zuge der stärker werdenden Frauenbewegung und der sprunghaft zunehmenden Berufstätigkeit von Frauen zu Beginn des Ersten Weltkriegs vollends aus der Mode. Die glamourösen Hollywood-Diven der dreißiger Jahre brachten die Sanduhrenfigur inclusive Korsett zurück. Nach dem Krieg schloss die Mode an diesen Trend an: Der "New Look" von Dior, mit runden Schultern, schmaler Taille und betonten Hüften, traf die in der Kriegszeit entstandenen Sehnsüchte der Gesellschaft auf den Punkt. Das Korsett, nun aus flexibleren Materialien und reichhaltig verziert, kam wieder in Mode, wenn es auch lange nicht mehr die Verbreitung von früher fand. Mit der sexuellen Revolution verschwand es jedoch erneut in der Versenkung.

Seitdem erlebte das Korsett zahllose Revivals. Doch im Unterschied zu früher trugen die Frauen fortan Korsett, wenn sie darauf Lust hatten. Und: Zunehmend wird es als Oberbekleidung getragen. Ende der Achtziger machte Madonna mit ihrem Gaultier-Korsett Furore. Im neuen Jahrtausend brachte Dita Von Teese das Korsett zurück auf die Cover der Hochglanzmagazine.

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